Voraussetzungen und Kontraindikationen bei transformativen Atemreisen mit Breathwork
Transformative Atemarbeit wie Rebirthing und Holotropic Breathwork ist ein kraftvoller Weg zu innerer Entwicklung und Wachstum. Eine Atemreise kann dabei intensive körperliche, emotionale und mentale Prozesse aktivieren – eine normale körperliche und geistige Belastbarkeit ist daher Voraussetzung für eine sichere Praxis.
Dieser Artikel gibt eine Übersicht zu Voraussetzungen und Kontraindikationen. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Beratung. Bei Vorbelastungen, Vorerkrankungen oder Unsicherheiten ist im Zweifel immer eine Rücksprache mit dem eigenen Arzt oder Therapeut angeraten.
Warum es bei Atemreisen Kontraindikationen gibt
Transformative Atemarbeit nutzt die natürliche Kraft der Atmung, um in einem gehaltenen Setting in einen veränderten Bewusstseinszustand zu gelangen. Unterstützt durch Musik wird dabei tiefer, schneller und zumeist unterbrechungsfrei geatmet.
So kann sich durch die natürliche Kraft des Atems ein Zugang zu tiefliegenden Bewusstseinsebenen eröffnen – und ein Weg mit ihnen zu arbeiten. Intention ist eine Innenschau: Emotionale Prozesse, biografische Themen und transpersonale Erfahrungen können zugänglich werden.
Der gesamte Prozess wirkt in der Regel körperlich und emotional stark aktivierend. Genau darin liegt das Potenzial – und genau deshalb gelten klare Kontraindikationen und Voraussetzungen für eine Teilnahme.
Welche allgemeinen Voraussetzungen bei Atemreisen zu beachten sind
-
Eine normale körperliche Belastbarkeit ist Voraussetzung für eine Atemsitzung, d.h.
Stabile Kreislauf- und Atemfunktion
Keine akuten Infekte/Entzündungen
Keine frischen Verletzungen oder nicht verheilte OP-Wunden
Insgesamt „alltagsbelastbar“
-
Voraussetzung ist eine grundlegende psychische Stabilität und die Fähigkeit, sich auch in anspruchsvollen inneren Prozessen zu orientieren und zu regulieren, z. B.:
ausreichende Alltagsstabilität (Arbeit/Beziehungen/Grundfunktionen sind grundsätzlich tragfähig)
keine akute Krise (z. B. schwere Überforderung, akute Panik, akute Suizidalität)
Fähigkeit zur Selbstregulation (z. B. atmen, fühlen, innehalten, Hilfe annehmen; nicht „wegkippen“ oder stark dissoziieren)
realistische Selbsteinschätzung: eigene Grenzen wahrnehmen und kommunizieren können
Integration ist möglich: nach der Session ist Raum/Zeit für Nachruhe, Reflexion und ggf. Unterstützung vorhanden
-
Ein seriöses Setting funktioniert nur mit Offenheit, dazu gehören insbesondere
ehrliche Angaben zu Diagnosen, Medikamenten, Vorerkrankungen
Rücksprache bei Unsicherheit (lieber einmal zu viel als zu wenig)
Einverständnis zu klaren Regeln (Setting, Grenzen, Unterstützung)
Welche Kontraindikationen bei Atemreisen zu beachten sind
Wir unterscheiden zwischen absoluten und relativen Kontraindikationen
Absolute Kontraindikationen: Diese Punkte gelten in unseren Breathwork-Settings als Ausschlusskriterien, weil das Risiko im Gruppenformat sonst unnötig hoch ist.
Relative Kontraindikationen: Hier ist Breathwork nicht grundsätzlich ausgeschlossen – aber es braucht ärztliche oder therapeutische Freigabe, klare Absprachen und ggf. ein angepasstes Setting (z.B. niedrigere Intensität, 1:1 Begleitung)
-
Absolute Kontraindikationen:
Akute oder vergangene Psychosen
Bipolaren Störungen
Schizophrenie
Schweren Depressionen insb. mit Suizidgedanken
Relative Kontraindikationen:
Akute emotionale Krisen ohne therapeutische Begleitung
Dissoziative Störungen
Epilepsie oder Krampfanfälle,
Panikstörungen
Traumafolgestörungen/PTBS
-
Absolute Kontraindikationen:
Schwere koronaren Herzerkrankungen
Nicht ausreichend eingestellter Bluthochdruck
Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen,
Kürzlich erfolgter Herzinfarkt oder Schlaganfall
Aneurysmen
Instabile Angina pectoris
-
Relative Kontraindikationen:
Insulinpflichtiger Diabetes Mellitus
Starke Störungen des Elektrolythaushalts
Neigung zu Ohnmacht oder Kreislaufkollaps
Hyperventilationssyndrom
-
Absolute Kontraindikationen:
Schweres oder instabiles Asthma
COPD/Chronisch-Obstruktive Lungenerkrankung
Lungenemphysem
Starke akute Atemwegsinfektionen
-
Absolute Kontraindikationen:
Frische oder nicht vollständig abgeheilten Wunden, Operationen und Verletzungen
Glaukom (Grüner Star) und erhöhter Augeninnendruck
Relative Kontraindikationen:
Häufige oder sehr starke Migräneanfälle
Schwere orthopädische Erkrankungen wie Bandscheibenvorfälle
Knochenbrüchigkeit (schwere Osteoporose)
-
Absolute Kontraindikationen:
Infektionskrankheiten wie TBC, AIDS u.a.
Starke akute Atemwegsinfektionen
-
Absolute Kontraindikationen:
Teilnahme während der Schwangerschaft nicht empfohlen, da die Atemtechnik wehenfördernd wirken kann.
Weiterhin ist eine Teilnahme in den ersten Monaten nach der Entbindung, insb. umausgeheilten Wunden nicht empfohlen.
-
Relative Kontraindikationen:
Medikamentöse Behandlung mit
Psychopharmaka (z. B. Neuroleptika, Benzodiazepine, MAO-Hemmer)
Blutdrucksenkenden oder herzaktiven Medikamenten
-
Relative Kontraindikationen:
Zeitgleicher Alkohol- oder Drogenkonsum, parallele Einnahme von Plant Medicine
Fazit
Transformative Atemarbeit im Sinne von Rebirthing Breathwork und Holotropic Breathwork ist eine potente Methoden zur Induktion veränderter Bewusstseinszustände, aber sie ist bei bestimmten Vorerkrankungen klar kontraindiziert, da sie starke Effekte auslösen können. Bei Unsicherheiten ist im Vorfeld unbedingt Rücksprache mit der eigenen medizinischen oder therapeutischen Begleitung zu suchen. Ferner sind die Facilitatoren vorab zu informieren.
Quellen
Walch, S. (2002). Dimensionen der menschlichen Seele
Grof, S., & Grof, C. (2010). Holotropic Breathwork: A New Approach to Self-Exploration and Therapy
Havenith, M., Nemri, A. (2025). Atemkraft – Das Breathwork-Handbuch